Unterrichtsbesuch von einem Buddhisten

Am 21.11.2019 erhielt der katholische Religionskurs der Klassen 9abc von Herrn Schmieding Besuch von einem praktizierenden Buddhisten. Der Kurs hatte sich im Vorhinein bereits intensiv mit dem Thema Buddhismus beschäftigt und hatte sich auch auf den Besuch vorbereitet.


Wie kommt ein Siegerländer zum Buddhismus?

Dr. Andreas Goebel (57) ist Redaktionsleiter bei der Siegener Zeitung und seit 21 Jahren Buddhist. Vorher war er Katholik. Das erste Mal kam er mit dem Buddhismus in Berührung, als er auf einer Reise nach Asien einen buddhistischen Tuk-Tuk-Fahrer kennenlernte, der ihn mit ersten Riten und Bräuchen des Buddhismus bekanntmachte. Ebenso bekam er die Möglichkeit dort an einem buddhistischen Fest teilzunehmen. Zum Buddhismus in Deutschland erzählte er, dass der Buddhismus hier noch nicht so weit verbreitet sei. So ist beispielsweise die nächste buddhistische Gemeinde um Siegen in Köln gelegen – ein zu weiter Weg für regelmäßige Treffen. Laut eigener Aussage meditiert Dr. Goebel jeden Morgen 30 Minuten in einem extra dafür eingerichteten „Schreinzimmer“. Er respektiert jedoch auch andere Religionen, was vor Allem daran liegt, dass der Buddhismus missionarischem Auftreten absagt und andere Religionen ebenso wie den einzelnen Menschen respektiert. Heutzutage wird der gesamte Alltag von Dr. Goebel vom Buddhismus bestimmt.

Für seinen Vortrag hat er einige Objekte mitgebracht. Darunter zwei Bilder und eine Art Holzschemel (s. obenstehendes Bild). Dieser Schemel erweist sich später als Hocker zum meditieren.

Wer ist der Chef beim Buddhismus?

Auf die Frage hin, wer im Buddhismus der oberste Chef, sozusagen der „Papst“ sei, erklärt Herr Goebel: „Es ist beim Buddhismus nicht so leicht wie beispielsweise beim katholischen Papst. Es gibt lediglich einige sehr berühmte Buddhisten, aber da sich der Buddhismus in viele verschiedene Schulen und Linien einteilen lässt, kann man nicht den einen „Anführer“ definieren.“, so der Buddhist. Besonders ist aber, dass alle Buddhisten, egal welcher Schule oder Linie sie angehörig sind, einige Werte teilen, die quasi Grundstein für das Buddhistsein sind.

Welche Rolle spielt Buddha im Buddhismus?

Jedem sollte der Name „Buddha“ geläufig sein. Und vielen kommt dabei wahrscheinlich auch das Bild des kleinen dicken Mannes in den Kopf. Aber was hat er mit dem Glauben der Buddhisten zu tun und woran genau glauben die Buddhisten überhaupt? Um zuerst einmal etwas klarzustellen: Buddha ist kein Gott! Die Buddhisten haben keinen richtigen Gott. Dennoch stellt Buddha für die Buddhisten eine sehr wichtige Persönlichkeit dar. Er war ein Prinz, der sehr gelitten hatte. Als er sich von seinem Vater abwendete, suchte er viele religiöse Lehrer und Philosophen auf und studierte bei ihnen. Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das Leiden der Welt zu lindern. Ebenso übte er sich in der Meditation und als er, der Erzählung nach, unter dem Bodhi-Baum meditierte, bekam er eine Erleuchtung. Der Buddhismus ist ebenfalls davon überzeugt, dass jeder Mensch Buddahnatur habe. So liegt es in der Natur eines jeden Menschen, sich von Leiden zu befreien.

Wie funktioniert eigentlich Meditation?

Wie bereits erläutert, nutzt der Buddhist die Meditation, um sich von Leiden oder Problemen zu befreien. Die Buddhisten sind der Ansicht, dass immer nur der gegenwärtige Moment zählt. Dies ist ebenfalls Grundgedanke der Meditation. Man soll sich nur auf den Moment konzentrieren, Vergangenheit und Gegenwart gänzlich ausblenden. Dadurch ist es geübten Buddhisten möglich, über einen Zeitraum von mehreren Tagen zu meditieren, da durch das Konzentrieren auf den Moment jegliches Zeitgefühl verloren geht. Dies gelingt vor allem, indem man sich auf eine ruhige und gleichmäßige Atmung fokussiert. Dr. Goebel meditiert täglich. Dazu hat er für eine entspannte Atmosphäre in seinem Schreinzimmer einen kleinen Brunnen. Des Weiteren zündet er Kerzen an, die für ihn die Erleuchtung symbolisieren. Allgemein gilt übrigens für Buddhisten: Wer mindestens 3 mal pro Woche jeweils 30 Minuten meditiert, ist ein praktizierender Buddhist.

Woran glauben denn die Buddhisten im Allgemeinen?

Die Buddhisten sind eine friedliche Religion. Sie glauben an die Wiedergeburt. Damit zusammenhängend ist für sie auch das Karma sehr wichtig. Wer ein gutes Karma hat, der wird auch als Mensch im nächsten Leben wiedergeboren. Wer jedoch ein schlechtes Karma hat, der wird als Tier o. Ä. wiedergeboren. Dr. Goebel brachte den Vergleich, dass ein Mensch mit einem schlechten Karma vielleicht als Maus wiedergeboren wird, die ihr Leben lang in der Angst leben muss, gefressen zu werden. Die Sünden werden übrigens ins neue Leben „mitgenommen“.

Des Weiteren glauben die Buddhisten, dass alles eine (oder mehrere) Ursache(n) hat. Diese Ursache führt dann zu einer Wirkung. Allgemein gesagt: Nichts und Niemand besteht aus sich selbst heraus.

Auch Teil des buddhistischen Glaubens ist der Gedanke, dass jedes Wesen alles tut, um glücklich zu leben. Nur das „wie“ ist unterschiedlich. Auch hier nutzt Dr. Goebel ein Beispiel zur Erklärung: Selbst ein Mörder möchte glücklich sein. Er wird jedoch ganz anders glücklich, als Menschen mit anderen moralischen Grundsätzen. Das ist mit „wie“ gemeint.

Haben die Buddhisten einen Himmel?

Wie bereits erwähnt, glauben die Buddhisten an die Wiedergeburt. Trotzdem werden viele schon einmal von dem Begriff „Nirwana“ gehört haben. Es ist kein richtiger Ort und es kann nicht jeder ins Nirwana kommen. Er lässt sich aber nicht mit dem göttlichen Himmel im Christentum vergleichen. Es ist nur hochgestellten Buddhisten gewährt, ins Nirwana einzugehen, sich also gegen die Wiedergeburt zu entscheiden. Beispielsweise der Dalai Lama, eine sehr hochgestellte Person im Buddhismus, hat die Möglichkeit, sich nach dem nächsten Tod für den Eintritt ins Nirwana zu entscheiden. Sollte er wiedergeboren werden wollen, gibt er auf seinem Sterbebett bzw. kurz vor seinem Tod bekannt, wo der neue Dalai Lama zu suchen sei. Findet man am angegebenen Ort ein Kind und dieses erkennt bestimmte spezielle Gegenstände aus dem Besitz des alten Dalai Lama wieder, so ist bewiesen, dass dies der wiedergeborene Dalai Lama ist.

Fazit: Hat sich der Besuch gelohnt?

Zusammenfassend, war es für den Kurs eine sehr interessante Erfahrung, da sich buddhistischer und christlicher Glauben in einigen Punkten unterscheiden. Auch Herr Schmieding sagte nach der Stunde, dass es einen großen Unterschied zwischen dem Lesen von Fachliteratur und dem Gespräch mit einem wirklich praktizierenden Buddhisten gibt.

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