Interview mit Bürgermeister Steffen Mues


Am 21.01.2020 hatten wir die Möglichkeit mit dem Bürgermeister der Stadt Siegen zu sprechen. Wir haben euch auf unserer Instagramseite um Hilfe gebeten und haben mit euren Vorschlägen folgenden Fragekatalog erstellt.

Herr Steffen Mues ist seit 2007 Bürgermeister der Stadt Siegen und ist Mitglied der CDU. 1984 hat Herr Mues sein Abitur am GAL gemacht. Anzumerken ist, dass er sich zu seiner Schulzeit in der Kleinen Freiheit stark engagiert hat.

Welche Hobbies verfolgen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich treibe in meiner Freizeit sehr viel und gerne Sport. Ich gehe viel Laufen, fahre viel Fahrrad, gehe ins Fitnessstudio und gehe mit meiner Frau tanzen. Meinen Urlaub nutze ich zum Wandern und ich fahre mindestens einmal im Jahr Ski. Abseits des Sports lese ich gerne.

Haben Sie eine Lieblingsband?

Im Thema Musik bin ich in den 70er Jahren hängen geblieben, aber ich höre auch gerne Musik aus den 80er. Mein Lieblingsalbum ist Breakfast in America von Supertramp, aber Genesis und Pink Floyd höre ich ebenfalls sehr gerne.

Hören Sie die Musik während der Arbeit?

Nein, nur wenn ich Laufen gehe. Die Musik ist ein gewisser Ansporn und ich kann dann gleich zwei Hobbies miteinander verbinden.

Wo machen Sie am liebsten Urlaub?

Ich fahre gerne in die Berge zum Wandern und zum Ski fahren. Ich war mit meiner Familie oft in Oberstdorf im Allgäu, in Südtirol und in der Schweiz. Unsere Partnerstadt Zakopane, in der hohen Tatra gelegen, ist ebenfalls sehr schön und ich war schon bei mehreren Besuchen dabei, unter anderem zum Ski fahren.

Was ist ihr persönlicher Lieblingsplatz in Siegen? Haben sie einen?

In Siegen gibt es viele schöne und spannende Plätze. Wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne in den Schlosspark oder in die Altstadt. Ich treibe gerne Sport in der Trupbacher Heide. Mich fasziniert, dass man dort oben die Gebäude der Stadt kaum sehen kann, außer die Uni am Haardter Berg und die NATO-Zähne am Fischbacherberg, dafür umso mehr die Wälder der gesamten Region. Außerdem blüht die Heide im Sommer sehr schön.

Was machen Sie privat für die Umwelt?

Ich habe mir ein Elektrofahrzeug bestellt, einen Smart. Ich hoffe, dass er in 6 Wochen ankommt…

Sind Sie zu einhundert Prozent von den Elektrofahrzeugen überzeugt?

Ich denke nicht, dass die Elektrofahrzeuge zu einhundert Prozent sauber sind, denn die Batterien müssen hergestellt und entsorgt werden. Manche Leute sagen ja, dass der Diesel, wenn er weiter entwickelt wird, die umweltfreundlichste Antriebsvariante ist. Trotzdem sind E-Fahrzeuge vor Ort besser, da sie keine Abgase erzeugen und leiser als die Verbrenner sind. Auf Strassen, wie der Sandstrasse, könnte zum Beispiel die CO² Konzentration verringert werden. Ich habe mich stark für eine Wasserstofftankstelle in Siegen eingesetzt, die zurzeit eine von 82 in Deutschland ist. Zudem hat die Stadt Siegen drei Wasserstoffbetiebene Fahrzeuge im Einsatz und zwei weitere bestellt. In 5 Jahren könnte die Welt wieder anders aussehen, da viel entwickelt wird und es viele neue Innovationen gibt. Auch bei mir zu Hause wird eine alte Ölheizung ausgebaut und bei einer neuen Heizung nehme ich auf die neuste Technik Rücksicht. Zudem spare ich sehr bei Energie- und Wasserverbrauch.

Gab es bereits gewaltsame Auseinandersetzungen mit anderen politischen Gruppierungen?

Nein, bisher zum Glück noch nicht. Es gab natürlich argumentative Auseinandersetzungen mit anderen politischen Gruppen, aber noch nicht gewaltsam.

Wurde Ihnen schonmal wegen Ihrer politischen Meinung gedroht?

Ja, verbal und durch Schubsen. Das war im Jahr 2015 auf einen Oktoberfest in Siegen, wo ich privat hingegangen bin. Dort bin ich von einer Gurppe und in eine Diskussion zum Thema Flüchtlinge verwickelt worden. Ich bin dann ziemlich angegangen und angerempelt worden. Zum Glück ist jemand dazwischen gegangen und Schlimmeres konnte verhindert werden. Eventuell hätte ich eine kassiert, aber so war es nichts Ernsteres. Wenn gewisse Menschen etwas bestimmtes von mir wollen, wird mir oft mit der Presse gedroht. Das ist auch so eine Unart geworden.

Ist der Beruf des Bürgermeisters eher ein Verwaltungsjob, oder kann man aktiv die Wünsche der Bürger durchsetzen?

Nein, man kann die Wünsche der Bürger aktiv durchsetzen. Im Prinzip bin ich ja der Chef der Verwaltung in Siegen. Aber es ist wichtig, dass man das Private von der Arbeit trennt, da sich sonst Bürger benachteiligt fühlen könnten. Außerdem ist es schwierig, allen Wünschen nachzukommen, denn letztlich stoßenviele Anliegen an gesetzliche Vorschriften und da muss ganz klar eine Linie eingehalten werden, um niemanden zu benachteiligen.

Was wird für die Bildung der Jugendlichen getan?

Mir ist ein breites Spektrum der Schulen in Siegen wichtig. Es ist gut, dass wir in Siegen vergleichsweise viele Schulen haben, und den Bürgern eine große Vielfalt anbieten können.

Was wird außerschulisch getan?

Heutzutage gibt es z.B. andere Ansprüche an Kindertagesstätten als damals, auch unter dem Bildungsgesichtspunkt. Die Nachfrage nach längeren und flexibleren Betreuungszeiten steigt. Hier wird viel in Siegen getan. Viele Kindergärten werden modernisiert, oder neugebaut und die Beiträge sind sehr günstig.

Zudem bietet der Stadtjugendring viele Fortbildungsmaßnahmen an, wie z.B. zu politischer Bildung oder Antirassismus. Es gibt außerdem noch Einrichtungen,wie die Musikschule, die JugendKunstSchule, die Volkshochschule, eine verbesserte Stadbibliothek oder das Weiterbildungskolleg, wo die Jugendlichen sich außerhalb der Schule bilden können.

Was kritisieren bzw. schätzen Sie an der „heutigen Jugend“?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Vielleicht beneide ich die Möglichkeiten, die die Jugendlichen heute haben. Früher zum Beispiel musste man noch mit großen Walkmans herumlaufen, heute ist alles mit dem Handy möglich. Man kann viel leichter Musik hören und kaufen. Früher ging fast das ganze Taschengeld drauf, wenn man sich eine Platte gekauft hat. Heute hat man als Student für 5€ Millionen von Liedern auf dem Handy. Man kann mit den Handys viel leichter an Informationen herankommen, als damals. Da ist aber auch ein Problem, dass es viele Fake News gibt, und die Quellen nicht hinterfragt werden. Zudem haben es die Jugendlichen mit den neuen Techniken viel leichter, als die älteren Mitbürger. Aber ich stelle mir die Frage, ob die Jugendlichen heute nicht oft einem Herdentrieb unterworfen sind und durch die neuen Medien individuelle Interessen verloren gehen. Außerdem neigen die Jugendlichen oft dazu, gegen etwas zu protestieren, anstatt sich z.B in einer Partei zu engagieren. Der Protest (Fridays for Future) ist das eine, aber kann man nur durch den Protest mehr erreichen, als wenn man in den Parteien konkrete Maßnahmen umsetzt?

Wieviel Geld verdient man als Bürgermeister?

Das ist bei den Beamten (und auch ein Bürgermeister ist Beamter) gesetzlich geregelt. Ich bekomme B 8, das sind ein paar Gehaltsklassen mehr als Herr Berg (lacht), ich kann davon gut leben. Im Vergleich zum Chef eines ähnlich großen Privatunternehmens aber sicherlich eher wenig.

Haben Sie Kinder?

Ja zwei. Nico (25) und Carolin (22).

Waren ihre Kinder auch auf dem GAL?

Nein. Wenn es nach mir gegangen wäre schon. Es ist schon fast Tradition, dass die Kinder vom Wellersberg auf das EVAU gehen.

Was denken Sie über die Siegener Bevölkerung?

Der Siegener ist ein aufrichtiger, gradliniger Mensch. Er sagt was er denkt, auch direkt ins Gesicht. Da habe ich kein Problem mit, da es immer Gegenmeinungen gibt. Außerdem ist der Siegener engagiert, ehrlich und er hat einen guten Humor.

Wie sieht die Zukunft des GAL aus? Was plant die Stadt?

Das GAL ist ein stabiles, sehr gutes Gymnasium, das im Moment sehr beliebt bei den Schülern ist. Es ist bereits viel am Löhrtor passiert. Zu meiner Schulzeit sah die Schule um einiges schlimmer aus. Es gab sogar richtige Löcher in den Wänden. Ich habe als Redakteur selbst mal einen Artikel in der Kleinen Freiheit dazu geschrieben, Ausgabe 111, 112 oder 113 wahrscheinlich. Ich war vor Kurzem, zum 35. Jubiläum meines Abschlussjahrganges mit ehemaligen Mitschülern am Löhrtor, und viele waren wir erstaunt, in was für einem guten Zustand die Schule im Vergleich zu unserer Zeit ist. In das GAL wurde in der letzten Zeit viel investiert. Es gibt die neuen Toiletten, und der Neubau der naturwissenschaftlichen Räume, der ca. 1,5 mio.€ gekostet hat. Zudem werden die Klassenräume renoviert. In Zukunft soll das GAL natürlich bestehen bleiben und die Stadt rechnet mit dem Gymnasium. Wenn die Universität in die Unterstadt in die Nähe des GAL kommt, sind hier stärkere Zusammenarbeiten möglich.

Warum kommen erst jetzt Investitionen in die Schule?

Es ist ja schon einiges passiert. Man muss bedenken, das es noch viele andere Schulgebäude in Siegen gibt, die unterhalten werden müssen. Das kostet uns viele Millionen im Jahr. Mit Fördersummen von Land und Bund ist das aber zurzeit einfacher.

Welche Politik möchten Sie im Wahlkampf führen?

Ich bin seit mehr als 12 Jahren Bürgermeister und ich denke, die Siegener können mich gut einschätzen. Sie wissen, wo sie dran sind. Ich versuche stets bürgernah zu der Bevölkerung zusein. Jeder Bürger, der mit mir persönlich sprechen will, kann dies gerne tun und bei mir einen Termin vereinbaren. Es würde jetzt den Rahmen sprengen, mein komplettes Wahlkampfprogramm vorzustellen. Vor allem möchte ich die Stadt in der Zukunft attraktiver gestalten. Wichtig ist hier z. B. der Umweltschutz, dass Siegen, insbesondere in der Innenstadt, grüner wird.

Wann wird Siegen verkehrsgerechter – Stichwort Kochs Ecke?

Der ÖPNV ist ein wichtiger Bestandteil für die Zukunft im Verkehr. Leider haben die letzten Diskussionen diesem eher geschadet, da die vielen Ausfälle, zudem die vielen Baustellen, die aktuell im Stadtgebiet sind, zu enormen Verspätungen führen. Außerdem sind wir als Stadt für den Busverkehr nicht zuständig. Klar ist aber, dass es mehr Busse braucht, um die Mobilitätswende zu realisieren. Wenn die Universität in die Innenstadt kommt, werden wieder mehr Busse frei, die diese Lücken, vor allem in den ländlichen Regionen, schließen können. Die Staus jeden Morgen lassen sich allerdings nur schwer vermeiden, da die Zufahrten in die Stadt durch die Berg- und Tallage ziemlich eingeschränkt sind. Die gute Nachricht ist, dass es nach einer Bürgerbefragung viele Vorschläge gibt, die in Zusammenarbeit mit einem Fachinstitut entstanden sind. Die Stadt hat z. B. einen Verkehrsrechner in Auftrag gegeben, der die Ampelschaltungen im gesamten Stadtgebiet effizienter berechnen soll. Der Stau an Kochs Ecke könnte sich z. B. durch den einst geplanten Siegbergtunnel verringern. Die Kosten belaufen sich heute im unteren dreistelligen Millionenbereich, daher ist dies voraussichtlich keine Option.

Wie wird Siegen noch grüner?

Siegen ist zwar schon die grünste Großstadt Deutschlands, aber die Innenstadt ist immer noch ziemlich grau. Die Stadt hat vor 5 Jahren ein neues Grünflächenkonzept entwickelt. Der Abriss der Siegplatte, des Herrengartens und die Renovierung des Schlossparks waren damals schon beschlossen. Ein Plan ist, den Oranienpark zu sanieren und ihn wieder attraktiv zu machen. Dort haben wir letztes Jahr schon eine große Blumenwiese gepflanzt und die Sträucher weggeschnitten, um das Image des Parks zu verbessern. Aktuell bepflanzen wir die Straßenränder mit Stauden, die auch im Winter ihre Funktion haben. Denn die Pflanzen sind auch für Insekten wichtig. Eine weitere Frage ist, ob man alte Gebäude abreißen oder renovieren sollte. Ich würde wieder solche Möglichkeiten nutzen, wie sie sich am Herrengarten angeboten haben: Heruntergekommene Gebäude abreißen, um neue Grünflächen zu schaffen. Trotzdem helfen natürlich auch viele kleine Schritte, um die Stadt zu begrünen. Die Innenstadt soll durch weitere Sitzgelegenheiten attraktiver werden. Damit wird die Aufenthaltsqualität in der Stadt verbessert. Was mich persönlich stört, sind die Kaugummis und die Zigarettenstummel, die überall herumliegen. Es wird immer noch zu viel Müll auf die Straße geworfen. Das lässt sich leider kaum verhindern, da es immer irgendwen gibt, der auf eine saubere Stadt keine Rücksicht nimmt

Wir danken Herrn Steffen Mues für die Zeit, die er sich für uns genommen hat, Herrn Berg für die Organisation eines Termins und Frau Kauffmann und Frau Brüggemeier, die die Idee für dieses Interview durchgesetzt haben.

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